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Auf den Spuren der Kelten

Ein Getreidekasten mit Geschichte

Frederik Scharinger ist im ganzen Lungau bekannt: Der Lehrer und Schauspieler hat sich, vor rund 40 Jahren aus Niederösterreich zugezogen...
...reichlich geschichtliches Wissen über die Region angeeignet, hält Vorträge, macht Führungen und schreibt über seine neue Heimat. Er hat einige spannende Details über St. Michael im Repertoire, so auch über einen geheimnisvollen, zum Eggerwirt gehörenden Getreidekasten.

An der Rückseite des Eggerwirts, auf der gegenüberliegenden Straßenseite, finden die Besucher von St. Michael ein auf den ersten Blick unscheinbares gemauertes Gebäude, den so genannten „Troadkasten“, einen Getreidespeicher. „Wir nehmen an, dass dieser und andere Kornspeicher hier durch die Awaren entstanden sind, um 580 nach Christus“, sagt Frederik Scharinger. Nach der Justinianischen Pest waren zu diesem Zeitpunkt nur wenige Menschen im Lungau ansässig, und so siedelten sich die Awaren, ein Reitervolk, gemeinsam mit slawischen Bauernstämmen hier an.

Insgesamt 33 Kornspeicher in St. Michael stammen aus dieser Zeit, teils aus Holz, meist aus Stein. Sie dienten als eine Art Speicher für die „Überlebensmittel“ Speck und Troad (Saat- und Brotgetreide). Das dritte Überlebensmittel war das Sauerkraut, der wichtigste Vitaminlieferant im Winter, welches ein wenig vom Hof entfernt in einem großen Holzfass in der Erde vergraben wurde.

Diese Troadkasten sind typisch für den Lungau, weil man damals keine Keller bauen konnte. Entweder Fels oder Wasser lagen immer darunter“, so Scharinger. Es war also wichtig, eine Technik zu entwickeln, bei der das Korn nicht schimmelig werden konnte. Eine spezielle Art der Durchlüftung mit Löchern im Mauerwerk war eingebaut und der Eingang nur von oben mit einer Leiter möglich, damit Mäuse keinen Zugang hatten.

Sonne, Mond und Zahlen


Der Troadkasten des Eggerwirts ist ein gut erhaltener viereckiger Steinspeicher. An der Vorderseite zeigt er eine Sonnenuhr und eine Reihe uralter Zeichen, die bis in die keltische Zeit zurückreichen. Scharinger: „Teils handelt es sich um heidnische Fruchtbarkeitssymbole. Denn ein Teil des gelagerten Getreides wurde wieder als Saatgut genutzt, und das musste eben fruchtbar sein.

Auch die Zahlen 2, 3 und 5 kommen vor, 2 als Symbol für die Sonne, 3 für den Mond und 5 für die Ewigkeit. „Im Lungau sieht man die Symbole Sonne und Mond oft. Die Symbolik dahinter sagt, dass Sonne und Mond sich immer wieder abwechseln. Das wiederum bedeutet unbegrenzte Existenz, Ewigkeit.“ So ist auch die Sonne im Logo des Eggerwirts kein Zufall, sondern eng mit der Region verbunden. Als Sonnenuhr dient die Uhr leider nicht mehr, „weil die vorbeifahrenden LKWs immer den Zeiger weggerissen haben“, lacht Scharinger.

Die rechte Seite des Getreidekastens zeigt die damaligen vier Berufsstände Kirche, Marktrichter, Bauer und Händler sowie darüber Sonne und Mond, als Zeichen der Beständigkeit. Frederik Scharinger: „In Griechenland bewundern die Menschen die uralten Steine ehrfürchtig, doch hier im Lungau haben wir eine ebenfalls bedeutende Geschichte und es ist wichtig, dass das Wissen dieser Kultur erhalten bleibt und uns bewusst wird.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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